Die Versorgung von Menschen mit Schizophrenie muss dringend verbessert werden. Darin sind sich alle Fachleute einig. In Deutschland gibt es jährlich 15.600 Neuerkrankungen, von Schizophrenie betroffen ist insgesamt ca. 1 % der Bevölkerung, vorwiegend jüngere Menschen im Alter von 18 bis 35 Jahren, so das Robert Koch Institut.

Bei der diesjährigen Konferenz Psychische Gesundheit 2030 – VersorgungDenken wollen wir über Versorgungsstrukturen und Rahmenbedingungen informieren und diskutieren, die Versorgungswirklichkeit betrachten, Optimierungsnotwendigkeiten aufzeigen, Möglichkeiten der Verbesserung von Versorgungsstrukturen und -prozessen darstellen und gemeinsam mit Ihnen und weiteren Experten darüber diskutieren, wie die nächsten Schritte zur Optimierung der Versorgung von Menschen mit Schizophrenie aussehen könnten.

Dies ist die konsequente thematische Weiterführung unserer Konferenz 2016. Im vorigen Jahr war Konsens aller Teilnehmer und Referenten: Schizophrenie wird zu selten gut koordiniert, strukturiert, multiprofessionell, sektorenübergreifend und frühzeitig behandelt. Patienten und Angehörige bekommen nicht die Versorgung bzw. Begleitung, die sie brauchen. Es fehlt beispielsweise an Frühintervention, gemeindenahen und niedrigschwelligen Versorgungsmodellen und Home Treatment. Die Folgen u. a.: Ein fragmentiertes Versorgungssystem mit veralteten Therapiezielen und Versorgungsstandards. Zu selten gibt es frühzeitige, patientenorientierte, spezifische und integrierte Diagnostik- und Therapieangebote. Besonders im ambulanten Bereich herrscht zu wenig Zeit für den Patientenkontakt. Große Defizite gibt es bei der koordinierten Behandlung (ambulant/stationär), zielführenden Kooperationen sowie strukturierten Versorgungsangeboten und -prozessen. Eine Konsequenz der defizitären Versorgungslage: Die Lebenserwartung Schizophrener reduziert sich durch Suizid, Unfälle oder somatische Komorbiditäten bzw. Begleiterkrankungen um bis zu 25 Jahre.

Prof. Dr. Arno Deister resümierte: „Wir sollten uns auf die Förderung von Gesundheit konzentrieren und nicht auf die Reparatur von Symptomen oder von Defiziten. Dazu müssen wir andere Versorgungsstrukturen haben und andere Anreize setzen. Vor allem müssen wir aus der unseligen Trennung von hier ambulant, da stationär, hier Therapie, dort Rehabilitation, hier Professionelle, dort Betroffene heraus.“

Selbstverständlich können Versorgungsstrukturen, -prozesse und -konzepte nur multiprofessionell und unter Einbeziehung aller Beteiligten gedacht und diskutiert werden: Ärzte, Case Manager, Kostenträger, Pflege, Politiker, Sozialdienst sowie Sozialarbeiter und Wissenschaftler.

Sie und alle Interessierten laden wir herzlich zur diesjährigen Konferenz Psychische Gesundheit 2030 – VersorgungDenken am 30. November 2017 nach Berlin ein.

Dr. Michael Wiegand
Konferenzleiter
Psychische Gesundheit 2030
Bernd Seguin
Koordinator
Psychische Gesundheit 2030
Veranstaltet von
Mit freundlicher Unterstützung von
Impressum | Druckansicht | Letzte Änderung: 19.05.2017