Sehr geehrte Damen und Herren, 

Schizophrenie ist durchaus keine seltene Erkrankung. Sie ist verbreiteter als die drei häufigsten Krebsarten zusammen: das betrifft ungefähr 800.000 Menschen in Deutschland, ca. 1% der Bevölkerung.

Die Ursachen der Schizophrenie sind noch nicht abschließend und vollständig erforscht. Vier Faktoren werden aber immer wieder für das Entstehen einer Schizophrenie genannt: Erbanlagen, Veränderungen im Hirnstoffwechsel und Lebensereignisse, jüngst auch ein Zusammenhang mit Immunsuppression in der Reifungsphase des Gehirns. Eine besondere Bedeutung hat auch der Drogenkonsum (z.B. Cannabis, LSD, Kokain).  Drogenkonsum kann den Ausbruch der Erkrankung begünstigen und die Behandlung erschweren.

Schizophrenie (übersetzt: gespaltene Seele) bedeutet aber nicht – wie häufig angenommen – gespaltene Persönlichkeit. Vielmehr meint der Begriff das Auseinanderfallen von tatsächlicher und erlebter Realität, die Gleichzeitigkeit von gestörten und ungestörten Erleben und Verhalten. Sinnestäuschungen werden Teil der Realität, das Wahnhafte  ̵ besonders Stimmen hören - ist für die Erkrankten die Wirklichkeit. Das führt u.a. auch dazu, dass sie ihre Krankheit oft nicht akzeptieren. Es kommt zu Problemen und Störungen beim Denken, Fühlen, Handeln, Wahrnehmen. Der Verlauf einer Psychose ist vielfältig: Sie kann einmal erscheinen, die Betroffenen aber auch ein Leben lang begleiten.

Auch wenn schizophrene Störungen in jedem Lebensalter auftreten können, zeigt sich eine erste Episode meist zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr. Das ist ein wichtiges und entscheidendes Lebensalter: Schule, Berufsausbildung, Familiengründung sind kennzeichnend für diese Lebensphase. Die Diagnose Schizophrenie kann die Lebens- und Zukunftsplanung nachhaltig beeinträchtigen – oder sogar zunichte machen.  Ein frühzeitiger Therapiebeginn ist für den Behandlungserfolg und die Prognose daher maßgeblich entscheidend. Nicht zuletzt deswegen sollte ein Fokus auf der Früherkennung liegen.

In der Psychiatrie stehen verschiedene Behandlungsverfahren zur Verfügung: Etablierte und innovative Medikamente ermöglichen eine effektive Pharmakotherapie zur Langzeitbehandlung. Unverzichtbar sind aber auch psycho- und soziotherapeutische Verfahren für eine langfristige Stabilisierung und Alltagsbewältigung. Ein strukturiertes Case- und Entlassmanagement hilft, Schnittstellenprobleme zu überwinden, sozialarbeiterische Begleitung erleichtert die Wiedereingliederung.

Das Problem: Schizophrenie wird zu selten gut koordiniert, strukturiert, multiprofessionell, sektorenübergreifend und frühzeitig behandelt.  Dies führt insgesamt zu einer mangelhaften und defizitären Versorgung. Wie können Versorgung und Behandlung für Schizophrenie optimiert und Versorgungsprozesse besser koordiniert werden? Das sind die Leitfragen für unseren diesjährigen Kongress Psychische Gesundheit 2030 – ZukunftDenken.

Ihre Meinung ist gefragt – diskutieren Sie mit!

Dr. Michael Wiegand
Konferenzleiter
Psychische Gesundheit 2030
Bernd Seguin
Koordinator
Psychische Gesundheit 2030
Veranstaltet von
Mit freundlicher Unterstützung von
Impressum | Druckansicht | Letzte Änderung: 20.07.2016